FSC Möve Obernau

Salzmanncup 2009 vom 11. – 14. Juni in Vielbrunn

 Christoph berichtetet: Endlich mal ein Kunstflugwettbewerb!

 
Was ist der Salzmanncup, und wer ist der Salzmann?
 Jährlich finden die zentralen Vereinsmeisterschaften im Segelkunstflug „Salzmann-Cup“ an wechselnden Orten statt.
 Erstmals wurde dieser Wettbewerb 2000 ausgetragen. Neben den Siegern in den Klassen Sportsman - Einsteiger,
 Advanced - Halbakro und Unlimited - Vollakro sowie den Vereinsmeistern der teilnehmenden Vereine wird der
 „Salzmann des Jahres“ gekürt - Auszeichnung für eine besonders sportliche Einstellung und uneigennütziges Verhalten.
 In den Klassen Advanced und Unlimited hat der Salzmann-Cup etwa die Bedeutung wie Landesmeisterschaften
 und dient den Vollakrobaten der Qualifikation zur Nationalmannschaft,
 während der Wettbewerb in der Klasse „Sportsman“ eher eine Breitensportveranstaltung ist.
 So viel zum Cup, jetzt zum Salzmann:

 Wilhelm Düerkopp, genannt Salzmann, ist ein deutscher Kunstflieger und langjähriger Förderer des Segelkunstfluges in Deutschland,
 vor allem ist er der Spaßmacher mit seinen mittlerweile schon 80 Jahren - was man ihm aber überhaupt nicht anmerkt.
 Insbesondere stellt er dem Nachwuchs seine Flugzeuge – zunächst eine Lo100 , später den Ende der 1980er auf seine Initiative
 entwickelten Cirrus K – zur Verfügung, schleppt auf zahlreichen Segelkunstfluglehrgängen mit seiner PA 18 „D-ELUF“
 und betätigt sich als Trainer und Schiedsrichter.
 Mit seinem Teamkollegen Hannes Mattes zeigte er bis zu dessen Tod 2004 auf zahlreichen Flugtagen Synchron-Motorsegler-Kunstflug
 mit Fournier RF-4 und RF-5. Mittlerweile hat er sich dem Skydance-Acro-Team angeschlossen.
 Seinen Spitznamen „Salzmann“, unter dem er bekannter ist als unter seinem bürgerlichen Namen,
 hat er aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit als Steiger im Salzbergwerk erhalten.

 Dieses Jahr machte der Salzmann-Cup in Vielbrunn Station. Da ich schon die letzten Jahre damit liebäugelte dort teilzunehmen,
 war das die Gelegenheit, da Vielbrunn direkt in der Nachbarschaft liegt.
 Die Online-Anmeldung funktionierte ohne Probleme. Schon nach 10 Tagen war der Wettbewerb überfüllt.

 Geflogen wird in 3 Klassen:
   - Sportsman: im Kunstflug nicht so erfahrene Piloten und Kunstflugschein-Neulinge
   - Advanced:
Erfahrene Piloten, keine gerissenen und gestoßenen Figuren, keine Figuren in der senkrechten nach oben
   - Unlimited: Erfahrene Piloten, alles was man sich vorstellen kann ;-)
 Nach einiger Überlegung entschied ich mich für die Advanced Klasse, da zwar gerissene und gestoßene kein Problem sind,
 doch eine halbe Rolle in der Senkrechten nach oben ist das schon eher mit dem Habicht! ;-)

 Die erste Hürde, die Anmeldung, war genommen, doch es sollte gleich weiter gehen.
 Ich hatte noch keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Jeder muss 3 Programme fliegen:
   - Bekannte Pflicht: 2 Monate vorher bekannt, man hat also Zeit zum üben. (wenn man sich die Zeit nehmen würde ;-))
   - Unbekannte Pflicht:
wird am Vorabend des Wettbewerbs ausgeteilt. Man darf und kann sie logischerweise auch nicht mehr üben.
   - Kür:
Strickt man sich selber vor dem Wettbewerb nach bestimmten Regeln und Kriterien zusammen
        Ich habe die Kür achtmal eingereicht, da immer etwas anderes nicht dem Regelwerk entsprach.
        Zwei Tage vor dem Wettbewerb hatte ich dann alles richtig. Mit Üben war halt auch nichts mehr. ;-)
 Ein Programm besteht aus 10 bis 12 Figuren, die idealerweise in eine Kunstflugbox 1000 x 1000 x 1000 m gepackt werden sollten.
 Das hört sich zwar groß an, aber ich kann Euch sagen, aus 1200 m Höhe sieht das aus wie eine Briefmarke
 (die Box ist am Boden markiert).
 Geschleppt wird auf 1250 m, dann positioniert man sich in der Box, los geht’s - gezeigt mit Anwackeln.
 Gewertet werden nur Figuren innerhalb der Box. Das heißt, spätestens in 200 m ist Schluss mit Kunstflug - wird mit Abwackeln gezeigt.
 Es geht nun darum die Box optimal auszunutzen und die Figuren sehr akkurat mit genauen Linien zu fliegen.
 Es gibt nur Horizont-, 45°- und 90°-Linien. Dies alles wird von sieben unabhängigen internationalen Schiedsrichtern,
 die am Rand der Box auf einem Nachbargrundstück des Flugplatzes saßen, bewertet. So viel zu den Randbedingungen.

 Vertretene Flugzeuge waren, FOX, Swift, Pilatus B4, SZD 59, Salto (V-Leitwerk), ASK 21, die Mü 28 der Akaflieg München
 und eben ich mit dem Habicht.

 Die Mü 28 ist ein Einzelstück und bei genauem Hinsehen auf den Fahrtmesser erkennt man den roten Strich bei 380 km/h.
 Wie ich erfahren habe, wurde der Flieger auf 550km/h getestet. Wahnsinn.

 Der Wettbewerb
 Am 13. Juni ging’s morgens los mit Briefing. Aber nicht wie ich es von Streckenflugwettbewerben kenne um 10 Uhr,
 sondern um 7 Uhr. Das tat aber der Stimmung abends keinen Abbruch.
 Die Kunstflieger, die ich kennengelernt habe, sind durchwegs ein nettes und lustiges Völkchen. ;-)

 Um 8.30 war der erste Start. Zunächst die Sportsman. Es war wirklich interessant, Kunstflug von unten anzuschauen.
 Man hat allein davon viel dazugelernt. Sei es von toll geflogenen Figuren, aber auch aus den Fehlern der anderen konnte man lernen.

 Nach der Sportsman ging die Advanced - Klasse an den Start. Ich war 4. Starter von 24 Teilnehmern.
 Alle waren gespannt, am meisten ich, wie ich mich mit dem Flugzeug schlagen werde.
 Das Programm konnte ich ohne größere Probleme durchfliegen. Doch wie war die Wertung?
 Man kann dies direkt nach dem Flug schlecht einschätzen, da von unten sehr viele kleine Fehler zu erkennen sind,
 die man selber im Cockpit nicht bemerkt.
 Nachdem alle 24 Teilnehmer geflogen waren, konnte man die Wertung online abrufen.
 Mit einem schon recht komfortablen Vorsprung konnte ich den ersten Durchgang als 1. Platzierter abschließen.
 Das weckte natürlich den Ehrgeiz im Wettbewerbspiloten.

 Nach der Unlimited-Klasse flogen wir gegen Abend noch die Unbekannte Pflicht, die man sich bis dahin in den Kopf prügeln musste.
 Jede Figur hat eine Maximalpunktzahl von 10, die anschließend mit dem Schwierigkeitsfaktor der Figur multipliziert wurde.
 Alle Figuren werden am Ende eines Programmes addiert, plus eine Punktzahl für Harmonie und Positionierung.
 Es ist sehr wichtig, keine Figur zu vergessen, sonst ist man aus dem Rennen.
 Man spürte die leichte Nervosität von allen Teilnehmern vor der Unbekannten. Mir wurde wieder Startplatz 4 zugelost.
 Auch hier lief’s richtig gut. Zweiter Platz, wenig Punktabstand zum Ersten.
 Da es sonst ziemlich gewürfelt hat, habe ich den Vorsprung in der Gesamtwertung ausgebaut.
 Geflogen wurde bis 21.15 Uhr. Kaum vorstellbar, aber jede Minute des Tages wird zum Fliegen ausgenutzt.
 Nach diesem ersten Wertungstag war die Freude über das erste Bierchen groß. ;-)
 Am Lagerfeuer ließen wir den Abend bei Fachsimpelei ausklingen

 Am nächsten Morgen hieß es wieder um 6 Uhr Aufstehen. Unsere Klasse flog die Kür am Nachmittag.
 Diesmal hatte ich Startplatz 21 und konnte mir so die meisten Flüge der Konkurrenten betrachten.
 Keiner hat einen größeren Patzer gemacht. Vor dieser letzten Kür hatte ich schon vor dem Einsteigen Adrenalin. ;-)
 Bloß keine Figur vergessen, nicht aus der Box fliegen, An- und Abwackeln nicht vergessen, Richtungsänderungen korrekt fliegen,
 Linien zeigen und und und; das waren meine Gedanken. Obwohl das alles eine Riesengaudi war, wurde es jetzt ernst.
 Nach dem Ausklinken war die Nervosität verflogen und es ging los. Nach dem Abwackeln war ich mir sicher, nichts vergessen zu haben,
 was zunächst schon beruhigend war. Aber wie haben die Schiedsrichter gewertet? Ich habe mir zunächst keine Wertung angeschaut.
 Abends im Debriefing um 22.30 wurden die endgültigen Wertungen ausgeteilt. Erst da war es für mich sicher.

   Ein erneuter zweiter Platz in der Kür hat zum Gesamtsieg gereicht.

 
Das wurde natürlich kräftig gefeiert.
 Die Vielbrunner hatten Abends die Halle leergeräumt und parallel ihr 40 jähriges Bestehen mit 2 Life-Bands gefeiert.

 Zur morgendlichen Siegerehrung nach dem Feldgottesdienst erschienen einige mit seeehr kleinen Augen!! ;-)

 Nach der Siegerehrung ging’s für alle auf den nach Hauseweg. Die Kunstfliegertruppe verteilte sich wieder quer über Deutschland.
 Die Vielbrunner hatten Sonntags Tag der offenen Tür, zu dem ich noch 2 Vorführungen geflogen bin.

 
Bleibt mir nur noch, Euch alle zu einem Kunstflug zu ermutigen und die Erfahrung zu machen,
 wenn man auf dem Rücken nicht mehr weiß wo der Flugplatz ist. ;-)
 Herbert und ich sind dafür immer offen Denn Kunstflug macht nicht nur einen Riesenspaß,
 sondern birgt auch einen sehr großen Sicherheitsaspekt für das Segelfliegen in sich.

 Euer Christoph