Diplome für Thomas Krausert und Christoph Zahn: Obernauer Möve-Piloten fliegen ein 750km-Dreieck


Im Team zum Diplom: Christoph Zahn hinüber auf seinen tieferfliegenden Teamkollegen

Großer sportlicher Erfolg für zwei Segelflieger von Möve Obernau: Bereits im Sommer haben Christoph Zahn und Thomas Krausert erfolgreich einen Dreiecksflug um drei angemeldete Wendepunkte mit einer Gesamtlänge von 750 Kilometern absolviert. Kürzlich nun erhielten sie von der Fédération Aéronautique Internationale (FAI) nach Prüfung der Dateien auf dem kalibrierten GPS-Datenrekorder dafür ihr Diplom.

»In diesem Sommer war das Wetter für große Streckenflüge im Segelflug sehr gut geeignet«, blickt Zahn im persönlichen Gespräch mit unserer Redaktion zurück. »Am 18. Juli war die Wetterlage dann so gut, dass wir nach tagelangen Analysen der Wetterkarten und intensiver Streckenplanung diesen Flug ohne Zwischenlandung, für den wir knapp zehn Stunden veranschlagt haben, angehen konnten.«


Zu den Personen:

Thomas Krausert:

Wohnort: Hösbach

Alter: 42

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Beruf: Ingenieur

Funktion im Verein: Kassier

Segelflugschein: 1995 (Fluglehrer seit 2005)

Gesamtstarts: 2300 (2600 Flugstunden)

Deutsche Rangliste: Position 57


Christoph Zahn:

Wohnort: Goldbach

Alter: 39

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Beruf: Ingenieur bei Lufthansa

Funktion im Verein: Vorsitzender

Segelflugschein: 1999 (Fluglehrer seit 2005)

Gesamtstarts: 3200 (2100 Flugstunden)

Deutsche Rangliste: Position 220



Thomas Krausert (links) und Christoph Zahn präsentieren ihre von der Fédération Aéronautique ausgestellten Diplome

Um 9:30 Uhr starteten die Ingenieure vom Flugplatz im Altenbachtal - mit entsprechender Thermik rechneten sie bis etwa 20 Uhr. Der erste Schenkel führte die beiden bei hervorragenden Steigbedingungen nördlich um Fulda herum, dann Richtung Süden bis kurz vor Ingolstadt, hinüber in den Hochschwarzwald zum Schluchsee und wieder zurück nach Obernau.

Die doppelte Schwierigkeit dabei: Zum einen mussten die per Funk in Verbindung stehenden Piloten mit ihren Hochleistungsflugzeugen des Typs LS8 NEO im Abstand von circa 50 bis 100 Metern zusammen fliegen, zum anderen sich an die eingereichten und somit vorgegebenen Wendepunkte halten. Auf Sicht und vorausschauend fliegen sowie ständig die Strecke optimieren - das war die Herausforderung. Solch ein Dreieck über letztlich (von Zahn) sogar 800 km wurde von Obernau aus mit diesem Flugzeugtyp noch nie zurückgelegt.


»Es muss viel passen«

»Aufgrund immer besserer Vorhersagen werden die Strecken, die geflogen werden können, immer weiter. Dennoch muss viel passen: Das Wetter, das Flugzeug, die Batterien ...«, erklärt Zahn. Im kommenden Jahr wollen die beiden Freunde noch einen draufsetzen: Mit dem gleichen Typ wollen sie ein 1000-km-Dreieck fliegen. Thomas Krausert hat dies bereits geschafft womit er dieses Jahr den seit 2006 bestehenden deutschen Klassenrekord der Standardklasse deutlich übertraf - allerdings nicht angemeldet.

Weiterhin wollen sie sich 2021 für die deutsche Meisterschaft 2022 qualifizieren: Krausert bei der Qualifikation Ende Juli in Aalen, Zahn ebenfalls in Aalen und darüber hinaus im Mai in Hockenheim. 40 Piloten pro Klasse qualifizieren sich für die alle zwei Jahre stattfindende DM. Insgesamt geben sich dort 200 bis 300 Piloten ein Stelldichein. Zehn Tage lang werden dabei vorgegebene Strecken von durchschnittlich 400 km Länge geflogen und mit Punkten (maximal je 1000) bewertet.

Die besten vier Piloten dieser Meisterschaften bilden dann für die kommenden beiden Jahre die deutsche Nationalmannschaft, wobei die beiden besten bei der nächsten WM, der dritt- und viertplatzierte bei der nächsten EM startberechtigt sind. Bereits zu Europameister- und sogar Weltmeister-Ehren hat es in der offenen Klasse der ebenfalls für Obernau startende Kleinostheimer Michael Sommer gebracht.

»Fasziniert von der Luftfahrt«, sei er, sagt Christoph Zahn, der auch über die Kunstfluglehrer-Lizenz verfügt und an entsprechenden Wettbewerben teilnimmt. Seine Bundeswehrzeit absolvierte er als Sportsoldat Segelfliegen, beruflich hat er es bei der Lufthansa mit Reparaturentwicklungen zu tun. Ebenso wie Thomas Krausert, der seit 2004 an jeder DM teilgenommen hat, war er Mitglied der Junioren-Nationalmannschaft.




»Im Grundsatz ist das Fliegen also relativ günstig«


Den Traum vom Fliegen erfüllt der 1951 gegründete FSC Möve Obernau. In den Hallen auf dem Flugplatz Altenbachtal im Aschaffenburger Stadtteil stehen neben dem Verein gehörenden sieben Segelflugzeugen und zwei Motorseglern auch drei private Flugzeuge.

Circa 200 Mitglieder gehören dem Verein an, davon 47 aktive, wovon wiederum die Hälfte Junioren (bis zum Alter von 25 Jahren) sind. Der FSC finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Einnahmen aus den Tagen der offenen Tür sowie der üblichen Vereinsförderung durch das Land und die Stadt.


Eineinhalb bis zwei Jahre Dauer

So elitär wie oft kolportiert sei dieser Sport gar nicht, sagt Christoph Zahn, seit zwei Jahren Vereinsvorsitzender: »Die Segelflugausbildung, die bereits mit 14 Jahren begonnen werden kann, dauert eineinhalb bis zwei Jahre und kostet etwa so viel wie ein Auto-Führerschein.« Danach könne es auch schon losgehen - zunächst mit Platzrunden, dann mit Strecken- und Dreiecksflügen oder sogar der Segelkunstfliegerei.

Allerdings sei dieses Hobby zeitintensiv, erklärt Zahn. Zum einen sind Segelflieger naturgemäß von Klima und Wetter abhängig: schlechtes Wetter ohne Aufwinde heißt oft langes Warten am Boden. Zum anderen heißt es während der Saison zwischen Anfang April und Ende September zusammenzuhelfen, wenn insbesondere an den Wochenenden Hochbetrieb herrscht. Denn ohne Flugleiter, Startleiter den Windenfahrer sowie eine Person, die das Flugzeug während der Startphase stabilisiert, geht es nicht.

Das Windenseil ist 800 Meter lang, beschleunigt die circa 300 kg schweren Flugzeuge (Doppelsitzer circa 600 kg) auf 90 bis 100 km/h. Flexibler in Bezug auf (Ausklink-) Ort und Höhe und somit die Thermik sind die Piloten, wenn sie durch einen Motorsegler hochgezogen werden. Auch bei den Segelfliegern sind Start und Landung die kritischsten Phasen.

Nach der Landung: Christoph Zahn neben der LS8 neo. Deren Spannweite beträgt 15 Meter, das Abfluggewicht darf maximal 525 kg betragen.

Spannweite bis zu 31 Meter

Ist man bei entsprechender Thermik dann erst einmal in der Luft, heißt es nur noch genießen. Abhängig von der Gleitzahl ist aus einer Flughöhe von 1000 Metern eine Strecke von bis zu 70 Kilometern möglich. Somit hat man bei ausbleibender Thermik in der Regel genug Zeit und Möglichkeiten, eine Außenlandung vorzubereiten. Davon hat Zahn bereits circa 100 hinter sich - »am besten auf einer großen gemähten Wiese«. Bei einer Rumpflänge von sechs bis sieben Metern beträgt beim Streckenflug die Spannweite der Flieger bis zu 31 Metern, bei den wendigeren Segelkunstfliegern hingegen nur zehn.

Aus den Fehlern verzeihenden Holzfliegern von früher wurden im Lauf der Jahre hoch entwickelte Fluggeräte aus Kunststoff, die in Einzelanfertigung bis zu 500 000 Euro kosten können. »Bei einem normalen Flugzeug muss man so um die 100 000 Euro rechnen«, relativiert Zahn. »Gebrauchte sind auch schon ab 5000 Euro zu kriegen. Im Grundsatz ist das Fliegen also relativ günstig, zumal der Verein ja die Flugzeuge stellt.«

Coronabedingt ist der Flugplatz in Obernau - ja auch eine Sportstätte - vom Landesverband auf unbestimmte Zeit geschlossen worden. Die Segelflieger hoffen, dass sie im Frühjahr, wenn es wieder heller und wärmer wird, wieder ihrem Sport nachgehen können.



Quelle: Main-Echo; Redakteur: Thomas Steigerwald; Titel wurde verändert

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